Du willst Aufgaben endlich loslassen, ohne ständig kontrollieren zu müssen? Das Reifegradmodell zeigt dir, wie du Verantwortung sinnvoll übergibst – abgestimmt auf Kompetenz und Motivation deiner Mitarbeitenden.
Viele Führungskräfte spüren im Alltag ein Spannungsfeld:
Zwischen kontrollieren und loslassen.
Zwischen fördern und fordern.
Zwischen Übernahme und Delegation.
Das Reifegradmodell gibt dir hier einen klaren Rahmen. Es hilft dir, Mitarbeitende differenziert einzuschätzen und zu entscheiden, wie viel Führung gerade sinnvoll ist und wo du Verantwortung abgeben kannst, ohne sie fallen zu lassen.
Warum dieser Artikel wichtig für dich sein kann
» Für Geschäftsführer:innen:
Du entscheidest über Verantwortungsbereiche und über Beförderungen. Das Reifegradmodell Führung hilft dir zu erkennen, wo eure Mitarbeitenden wirklich stehen und wie du Führung gezielt aufbauen kannst, statt nur Positionen zu vergeben.
» Für HR-Verantwortliche:
Du begleitest Führungskräfte und Mitarbeitende durch Jahresgespräche, Entwicklungspfade und interne Programme. Du erfährst, wie du das Reifegradmodell als Werkzeug nutzen kannst, um Gespräche zu strukturieren und Entwicklungsziele klarer zu formulieren.
» Für (Nachwuchs-)Führungskräfte:
Du willst souverän führen und Aufgaben delegieren, ohne ständig das Gefühl zu haben, alles selbst machen zu müssen. Du lernst, wie du den Reifegrad deiner Mitarbeitenden einschätzt und deinen Führungsstil daran anpasst.
» Was ist das Reifegradmodell in der Führung eigentlich
Das Reifegradmodell beschreibt, wie weit eine Person für eine bestimmte Aufgabe entwickelt ist.
Es bewertet nicht den Menschen als Ganzes, sondern immer die Kombination aus
- fachlicher Kompetenz
- Erfahrung mit der konkreten Aufgabe
- Motivation und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen
Damit bricht das Modell generalisierende Sätze wie
„Der ist halt schwierig“ oder „Die ist einfach stark“ auf.
Es richtet den Blick darauf, wo jemand heute steht und was diese Person von dir braucht, um den nächsten Schritt zu gehen.
Typischerweise werden vier Reifegrade unterschieden:
- Reifegrad 1
Kaum Erfahrung, oft unsicher oder noch naiv begeistert.
Diese Menschen brauchen klare Anleitung, Struktur und Orientierung. - Reifegrad 2
Erste Erfahrung, erste Rückschläge, schwankende Motivation.
Hier braucht es Ermutigung, Rückhalt und Coaching. - Reifegrad 3
Gute Kompetenz, verlässliche Ergebnisse, Motivation ist situationsabhängig.
Diese Mitarbeitenden brauchen Einbindung, Feedback und Sparring auf Augenhöhe. - Reifegrad 4
Hohe Kompetenz, hohe Selbstverantwortung, eigenständiges Handeln.
Hier geht es vor allem um Vertrauen, Freiraum und strategischen Austausch.

Wichtig:
Ein Mensch kann in einem Bereich Reifegrad 4 haben und bei neuen Aufgaben wieder bei Reifegrad 1 starten. Das Reifegradmodell ist also eine Momentaufnahme je Aufgabe, keine Etikette für die ganze Person.
» Warum das Reifegradmodell ein mächtiges Führungswerkzeug ist
In der Praxis erleben wir häufig zwei Muster
- Manche Führungskräfte delegieren nach Bauchgefühl
- Andere haben das Gefühl, „irgendwie für alles zuständig“ zu bleiben
Beides kostet Energie.
Das Reifegradmodell Führung gibt dir eine strukturierte Grundlage, um
- Entscheidungen transparent zu machen
- Mitarbeitende fair zu behandeln
- Entwicklungen sichtbar zu machen
- Verantwortung Schritt für Schritt zu übergeben
Ganz konkret verändert sich dadurch deine Aktion als Führungskraft.
Je nach Reifegrad deines Mitarbeitenden sieht dein Handeln anders aus:
- Reifegrad 1: Anleiten
Klare Vorgaben machen, Schritt für Schritt erklären, eng begleiten, Rückfragen aktiv einladen.
Fokus: Sicherheit schaffen und Orientierung geben. - Reifegrad 2: Schulen
Ziel vorgeben, den Weg gemeinsam erarbeiten, viel Feedback geben, Selbstvertrauen aufbauen.
Fokus: Lernen ermöglichen und Erfahrungen sortieren. - Reifegrad 3: Unterstützen
Verantwortung lassen, viel zuhören, Motivation stärken, Hindernisse abbauen.
Fokus: Eigenverantwortung stabilisieren und Entwicklung flankieren. - Reifegrad 4: Delegieren
Ziele und Verantwortlichkeit vollständig übertragen, Ergebnisse prüfen, Freiraum geben, als Sparringspartner zur Verfügung stehen.
Fokus: Autonomie fördern und auf Augenhöhe zusammenarbeiten.
So wird aus Delegation ein bewusst gesteuerter Entwicklungsprozess statt einem inneren Ringen zwischen Kontrolle und Loslassen.
Du musst nicht mehr aus dem Bauch heraus entscheiden, sondern kannst dich auf ein klares Raster stützen, das sowohl dir als auch deinen Mitarbeitenden Orientierung gibt.

Aktionsplanung / Möglichkeiten

Einsatzbereich 1: Jahresabschlussgespräche strukturiert vorbereiten
Alte Muster treffen auf neue Erwartungen. Es knirscht. Rollen werden neu verhandelt.
Was passiert?
Alte Muster und Loyalitäten werden sichtbar. Erste Konflikte entstehen. Rollen werden neu ausgehandelt. Manche Mitarbeitende kämpfen um ihren Einfluss.
Viele Jahresgespräche bleiben vage
„Du machst das gut“
„Da ist noch Luft nach oben“.
Mit dem Reifegradmodell kannst du jedes Jahresgespräch auf eine neue Stufe heben.
Du kannst dir pro Mitarbeitendem vorab folgende Fragen stellen:
- Bei welchen Aufgaben ist diese Person noch in Reifegrad 1 oder 2
- Wo hat sie sich in diesem Jahr sichtbar entwickelt
- Wo ist sie nahe an Reifegrad 3 oder 4 und könnte mehr Verantwortung tragen
- Was wäre ein realistischer nächster Schritt im kommenden Jahr
So wird das Jahresgespräch zu
- einer klaren Standortbestimmung
- einem Entwicklungsdialog auf Augenhöhe
- einem gemeinsamen Plan, statt nur rückblickender Bewertung.
Gleichzeitig erkennst du
Mitarbeitende auf Reifegrad 3 oder 4 kannst du stärker in Projekte, Mentor rollen oder verantwortungsvolle Themen einbinden.
Mitarbeitende in Reifegrad 1 oder 2 brauchen dagegen eher Lernziele, Begleitung und klarere Struktur.
Einsatzbereich 2 Mitarbeitergespräche im Alltag gezielt führen
Nicht jedes Gespräch ist ein Jahresgespräch.
Oft sind es die vielen kleinen Check-ins, die über Stimmung und Entwicklung im Team entscheiden.
Das Reifegradmodell hilft dir hier, deinen Gesprächsstil anzupassen:
- Bei niedrigerem Reifegrad
du erklärst mehr, gibst Struktur, gehst gemeinsam Schritt für Schritt. - Bei mittlerem Reifegrad
du fragst stärker nach, coachst, ermutigst, reflektierst gemeinsam. - Bei hohem Reifegrad
du stellst vor allem strategische Fragen, gibst Richtung und vertraust auf die Umsetzung.
Du kannst dir vor einem Gespräch kurz überlegen
- In welcher Aufgabe bewegt sich diese Person gerade
- Welchen Reifegrad nehme ich hierbei wahr
- Entspricht mein geplanter Führungsstil diesem Reifegrad oder eher meiner eigenen Komfortzone
So werden Mitarbeitergespräche weniger zufällig und stärker passgenau.
Und du entlastest dich selbst, weil du einen inneren Kompass hast, statt alles spontan aus dem Bauch heraus zu entscheiden.
Einsatzbereich 3 Eigene Fortschritte als Führungskraft reflektieren
Das Reifegradmodell ist nicht nur für deine Mitarbeitenden wertvoll, sondern auch für dich selbst.
Du kannst dich fragen
- In welchen Führungsaufgaben fühle ich mich selbst noch wie Reifegrad 1
zum Beispiel in Konfliktgesprächen, strategischer Planung oder Change Kommunikation - Wo bin ich in Reifegrad 2
ich kenne die Theorie, aber in der Praxis bin ich noch unsicher - Wo bin ich in Reifegrad 3
ich kann vieles schon gut, aber manchmal zweifle ich noch - Wo lebe ich Reifegrad 4
ich handle sicher, reflektiert, kann andere anleiten und weiterentwickeln
Damit wird Führung nicht zu einem „entweder du kannst es oder nicht“, sondern zu einem lebendigen Lernprozess.
Einsatzbereich 4 Delegation klug steuern und Überforderung vermeiden
Einer der kraftvollsten Effekte vom Reifegradmodell Führung liegt in der Delegation.
Statt zu fragen
„Kann ich diese Aufgabe delegieren“
stellst du dir differenziertere Fragen:
- Welche Aufgabe genau
- Welcher Mitarbeitende
- Welcher Reifegrad bei dieser Aufgabe
- Welche Begleitung braucht diese Person
Beispiele
- Reifegrad 1
Du delegierst kleine Teilaufgaben, erklärst ausführlich, gibst klare Deadlines und bist gut erreichbar für Rückfragen. - Reifegrad 2
Du lässt mehr Raum für eigenes Ausprobieren, planst aber bewusst kurze Feedbackschleifen ein, um Unsicherheiten abzufangen. - Reifegrad 3
Du delegierst ganze Themenbereiche, klärst Ziele und Rahmenbedingungen und nutzt regelmäßige Reviews für Sparring auf Augenhöhe. - Reifegrad 4
Du übergibst Verantwortung komplett, stimmst dich nur noch zu Meilensteinen ab und nutzt die Person vielleicht selbst als Mentor im Team.
So wird Delegation zu einer gezielten Entwicklungsstrategie
statt zu einem Vertrauenssprung, der im schlimmsten Fall in Überforderung oder Kontrollverlust endet.
» Perspektivwechsel: Was das Reifegradmodell auf allen Ebenen bewirken kann
» Für Geschäftsführer:innen:
Hast du ein klares Bild davon, auf welchen Reifegraden eure Schlüsselfunktionen heute besetzt sind?
Nutze das Reifegradmodell, um Führung nicht nur über Titel zu definieren, sondern über tatsächliche Verantwortung.
Wenn du wissen möchtest, wie Coaching diesen Prozess unterstützen kann, empfehlen wir dir unseren Artikel über Coaching für Führungskräfte.
» Für HR-Entscheider:innen:
Welche Räume schafft ihr, damit Führungskräfte lernen, ihren Führungsstil an Reifegrade anzupassen?
Du kannst das Modell in Leitfäden für Jahresgespräche, in Trainings und in Talentprogrammen verankern und so eine gemeinsame Sprache für Entwicklung schaffen.
» Für (Nachwuchs-)Führungskräfte:
Bist du bereit, dich selbst genauso ehrlich einzuschätzen wie deine Mitarbeitenden?
Reifegradarbeit beginnt bei dir: Wo brauchst du noch Struktur und Begleitung, wo wünschst du dir mehr Freiraum, wo möchtest du selbst Verantwortung übernehmen und andere stärken?
» Fazit & Einladung:
Reifegradorientierte Führung bedeutet:
– du holst Menschen dort ab, wo sie gerade stehen, statt alle gleich zu behandeln.
– du schaffst Klarheit, ohne Härte.
– du traust zu, ohne zu überfordern.
– du nutzt Delegation nicht nur, um Aufgaben loszuwerden, sondern um Entwicklung bewusst zu gestalten.
Veränderung gelingt, wenn Mitarbeitende spüren:
ich werde gesehen, ich werde geführt, ich werde nicht nur verwaltet.
Und das beginnt bei dir und deiner inneren Haltung als Führungskraft, als HR oder als Geschäftsführung.
Wenn du das Reifegradmodell nicht nur theoretisch kennen, sondern praktisch in eure Gespräche, Delegationsentscheidungen und Entwicklungswege integrieren möchtest, unterstützen wir dich gern.
Lass uns gemeinsam schauen, wo ihr heute steht und wie du oder ihr als Team Führung so gestalten könnt, dass sie Verantwortung stärkt, statt Druck zu erzeugen.
Buche dein kostenfreies Beratungsgespräch und wir prüfen gemeinsam, wie das Reifegradmodell in deinem oder eurem Kontext konkret wirksam werden kann.
#FührungBeginntBeiDir

